Eine Hand greift in Richtung gebündelte Aktenstapel auf Schreibtisch.

Riskante Verantwortungsdiffusion

Trotz vieler Berater sind viele Unternehmen schlecht beraten

„Beraterarmee außer Kontrolle“ betitelte der „Tagesspiegel“ Ende Januar 2019 einen Bericht über das problematische Geflecht von externen Beratern und Internen des Verteidigungsministeriums. Im Zentrum der Kritik um die Vergabe von jährlich bis zu dreistelligen Millionenbeträgen an Berater stand die Frage, wer warum wem ein Projekt vertraglich anvertraut hatte – und wer das koordiniert, geprüft und kontrolliert hat. Für den Bundesrechnungshof, das Parlament, Medien und Bürger gab es reichlich zu besprechen und zu diskutieren und viele haben sich vergnügt bis wütend wegen des offensichtlichen ministerialen Organisationschaos‘ auf die Schenkel geklopft.

Farbe drüber und fertig

Ob Digitalisierung, IT-Sicherheit oder stockende Rüstungsprojekte wie Schützenpanzer Puma oder Transportflieger A400M – mehrere hundert, vielleicht sogar tausende Aufträge wurden nach vertraulichen Papieren des Bundesrechnungshofes frei vergeben. Das riecht nach Skandal, nach Rechtsbruch und verlangt nach öffentlicher Aufklärung. Einfach nur Farbe drüber und fertig, das ist bei der Gorch Fock schon spektakulär und teuer gescheitert.

Aber ist es im privatwirtschaftlichen Automotive Sektor anders? Wer weiß hier, welches Geflecht bzw. Nicht-Geflecht abertausende von Audits, beauftragt von den einzelnen Abteilungen eines Herstellers – und zwar jede für sich – verbindet? Selbstverständlich gibt es dazu Zahlen. Sie sind gut verborgen und fantasievoll benannt in wichtigen Entwicklungsetats, geheimen Forschungs- und notwendigen Sonderprojekten. Mit dieser Mimikry wird zwar eine öffentliche Diskussion vermieden oder zumindest stark erschwert, doch die Probleme bleiben: Kann sich die Autoindustrie diesen Ausgabe-Luxus leisten? Wie riskant ist es, Fehler zu erkennen, diese aber nicht synergetisch zu analysieren und zu beheben?

Angebranntes kommt unter den Tisch

Bei der technischen Analyse ist der direkte Vergleich lange Standard. Das Fahrzeug eines Herstellers A wird neben dem entsprechenden eines Herstellers B abgestellt, zerlegt und Bauteil für Bauteil von Experten untersucht. Andere Experten rekonstruieren Herstellungsprozesse, Lieferketten, Materialqualitäten und Entwicklungspotenziale. Daraus lassen sich Schlüsse ziehen, diese wiederum verbessern neue Produkte – gelebter (und sinnvoller!) Wettbewerb.

Doch kaum jemand betreibt einen vergleichbaren Aufwand, um alle übrigen Prozesse zu verstehen und zu verbessern. In der gelebten Realität kocht jede Abteilung oder Organisation jedoch entweder täglich frisch und nach eigenem Gutdünken oder es kommt eben das auf den Tisch, was es immer schon gab. Und im Takt dazu rotiert das Personalkarussell. Von Kontinuität keine Spur, und beide Extreme führen zu gleichen Ergebnissen: Audit- und Prüfmethoden sind nicht standardisiert, Datensätze lückenhaft oder nicht vergleichbar, und Probleme werden unkoordiniert angegangen, je nachdem wo gerade etwas anbrennt und wie sehr die Zeit drängt. Oder sie werden einfach unter den Tisch gekehrt. Oder man kennt jemand, der jemanden kennt, der unter den Tisch kehrt. Echte Lösungen sind das nicht.

“Viele Steuerleute an Bord der Autoindustrie und dennoch ist sie ab vom Kurs?”

Achter mit Steuermann

Effizienzanalysen, Gewährleistungsabwicklungen, Verkaufsförderungsmaßnahmen, die Gewinnung von Stammdaten und viele weitere Situationen fordern alle eine zentrale Steuerung – wenn sie dem Großen, dem Ganzen dienen sollen. Sowenig ein PC ohne CPU sinnvoll zu verwenden ist, brauchen Organisationen individuelle und skalierbare Audit-Management-Systeme und das zu jeder Zeit, denn das Rennen ist verloren, sobald der Steuermann auch nur einen Augenblick einnickt. Die Dinge besser zu machen, das stand auch als Idee hinter dem oben beschriebenen Zustand im Verteidigungsministerium. Nur wurden die Maßnahmen augenscheinlich von Anfang an so schlecht umgesetzt, dass nun wieder andere Berater notwendig sind, um den Kahn – das Wortspiel sei an dieser Stelle erlaubt – wieder flott zu bekommen. Bei einem Traditionssegler wie der Gorch Fock liegt es im öffentlichen Interesse, wieviel Geld wofür ausgegeben wird. In Unternehmen sind es die Stakeholder, die sich darum kümmern müssen, ob sie tatsächlich besser beraten sind.

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